Tolling

Wer sich mit dem Toller beschäftigt, stößt unweigerlich auch auf das, was ihm einen wichtigen Teil seines Namens verpasst hat: das Tolling.

Damit ist gemeint, dass der Hund aus einem Versteck am Ufer heraus immer wieder am Ufer entlang läuft. Erreicht wird dies, indem Spielzeuge geworfen werden, die der Toller dann apportiert. Gewünscht ist dabei, dass er dies möglichst interessant, also mit höheren Sprüngen und einer begeisterten Rutenhaltung tut, damit er auf die Enten auf dem See noch interessanter wirkt. Die neugierigen Enten werden durch dieses ungewöhnliche Verhalten angelockt und schwimmen näher, um sich dies anzusehen. Um das Interesse hoch zu halten, sollte das Tolling nicht nur interessant aussehen, sondern auch von Pausen unterbrochen sein, in denen der Hundeführer und der Hund gemeinsam leise im Versteck abwarten und die Enten näher kommen lassen.

Sobald die Enten in Schussweite gekommen sind, steht der Jäger auf, wodurch die Enten auffliegen und geschossen werden können. Der Toller soll dies ruhig, steady und aufmerksam neben dem Versteck, also mit Sicht auf den See abwarten, um dann die geschossenen Enten zu apportieren.

Dieses Wechseln von spielerischer Aktivität zu Pausen hinter der Blende und dann einem konzentrierten Arbeiten machen das Tolling interessant. In Schweden und Dänemark gibt es schon seit längerem offizielle Tollingprüfungen, die diese Jagdsituation nachstellen. Auch in Deutschland gibt es seit 2017 eine offizielle Tollingprüfung, die bisher allerdings nur als „Bronze“ existiert, also nur die erste Klasse. Weitere sind in Planung, wie man hört.
In Belgien und den Niederlanden wird die Prüfungsordnung zwar noch nicht offiziell anerkannt, aber auch da gibt es einige Tollingprüfungen in sogar 4 Klassen, da es vor der Anfängerklasse auch noch die Möglichkeit gibt, mit jungen Hunden als Junior zu laufen.

LandIIIIII 
SchwedenNybörjare (NKL)Öppet (OKL)Elite (EKL)Tolling Champion Titel nach 2x V in Elite und einem practical hunt Test
DänemarkBegynderÅbenVinder
DeutschlandTP - Bronzein Planung
Belgien / Niederlande (inoffiziell)BeginnerNoviceOpenaußerdem Junior für junge Hunde und Veteran für alte Hunde

Die jeweiligen Prüfungsordnungen unterscheiden sich teilweise.
In Schweden findet das Tolling immer mit Wild statt. In der NKL sind dies immer Enten, in der ÖKL kann auch eine Gans dabei sein, in der EKL ist auf jeden Fall eine Gans dabei. Es gibt es folgende Aufgaben:

Nybörjare: Anschleichen an die Blende, Tolling, 1-2 einzelne Wassermarkierungen, Landmarkierung und Suche, wobei die Reihenfolge von Anschleichen, Tolling und 1 Wassermarkierung, bei der man selbst auch noch hinter der Blende bleibt und nur den Hund rechts oder links seitlich setzt immer gleich ist. Anschließend können die anderen Teile in beliebiger Reihenfolge folgen, wobei immer alles am Stück durchgearbeitet wird und der Hund jeweils bei Fuß zum nächsten Bereich zu führen ist.
Die Suche umschließt meist sowohl einen Bereich im Wasser/Schilf sowie an Land, die Hunde sollen zeigen, dass sie beide Bereiche für die Suche annehmen.
Das Tolling soll 10 Würfe und mindestens eine Pause von ca 30 Sekunden umfassen.

Öppet: Anschleichen an die Blende, Tolling, Doppel-Wassermarkierung, weitere Markierungen an Land, Blind über Wasser (und an Land), Suche.
Auch hier ist die Reihenfolge vom Anschleichen, Tolling und der Wassermarkierung immer gleich und danach geht es je nach Gelände dann beliebig weiter. Das Tolling ist länger mit mindestens 20 Würfen und auch längeren Pausen von 30-60 Sekunden. Außerdem kann
Man kann in dieser Klasse starten, sobald man in der Nybörjare einen 1. Preis geschafft hat. Im folgenden Kalenderjahr auf einen 1. Preis muss man in der ÖKL starten.

Elite: Die Aufgabenstellung ist wie in der ÖKL, nur dass der Weg zum Anschleichen noch länger ist, das Tolling 25-30 Würfe und Pausen von 1-2 Minuten umfasst. Außerdem kann es im Verlauf der Prüfung eine zweite Tollingeinheit geben. Die Markierungen und Blinds sind weiter und schwerer, …
Starten darf (bzw muss man ab dem auf die Qualifizierung folgenden Kalenderjahr) in der EKL, wenn man 2x den 1. Preis erreichen konnte.

Die Bewertung erfolgt mit 3 Preisen:1. Preis = Vorzüglich, 2. Preis = Sehr gut, 3. preis = gut. Außerdem gibt es auch das „non classé“ und die Möglichkeit, eliminiert zu werden. Um die Prpfung im 1. Preis zu bestehen, muss natürlich alles gelöst werden und dies auch noch recht gut. Auch wenn der Hund aber z.B. nicht alle geforderten Stücke in der Suche findet oder nicht zum Blind kommt, kann er noch bestehen und einen entsprechenden Preis erhalten. Einige Fehler führen hingegen zum nicht bestehen (non classé), wie zum Beispiel Blinken von Wild, nicht Apportieren eines gefundenen Stückes, Beschädigen von Wild, in höheren Klassen auch einspringen und wirklich störendes Lautgeben.

Die inoffiziellen Prüfungen in Belgien und den Niederlanden ähneln den schwedischen sehr, nur die Klassen heißen anders. Als Bewertung bekommt man hier ein „Uitmunded“ für Vorzüglich oder eben den 1. Preis, ein Zeer good als sehr gut oder 2. Preis und ein good als gut oder 3. Preis. Außerdem gibt es hier auch den Tolling Test, der mit Dummys statt mit Wild durchgeführt wird.

In Deutschland gibt es bisher nur die Tollingprüfung (TP) Bronze, bei der ein Anschleichen an die Blende, ein Tolling mit 20 Würfen und einer Pause sowie eine Wassermarkierung im Anschluss an das Tolling gearbeitet wird.
Aktuell gibt es eine Punktebewertung von 0-4, wobei 4 die beste Bewertung ist und es wird in 5 Bereiche unterteilt, die jeweils einzeln bewertet werden: Anschleichen, Tolling, Wasserfreude & Annahme, Apport incl Bringen der Ente, Zusammenarbeit mit dem Hundeführer. Mit unterschiedlichen Koeffizienten ergibt sich am Ende eine Maximalpunktzahl von 40 Punkten und je nach Punkteanzahl wird eine Wertnote gegeben.
Startvoraussetzung für die Teilnahme ist eine vorher bereits abgelegte und bestandene andere Prüfung mit kaltem Wild. Eine mit Vorzüglich bestandene TP zählt in Schweden als Qualifikation für die ÖKL – auch der Zwangsaufstieg im folgenden Kalenderjahr zählt!